Bei “Uhrwerk Orange”, aus dem Jahre 1971, handelt es sich wohl um einen der am kontroversesten diskutierten Filmklassiker der 70er. Als Vorlage für den Film dient Antony Burgesses dystopischer Science-Fiction Roman “A Colockwork Orange”,von 1962, welcher gleichzeitig auch der englische Originaltitel des Filmes ist.
Der US-Amerikaner, Stanley Kubrick, war sowohl Drehbuchautor, Regisseur und ausführender Produzent des Streifens, weswegen er häufig auch als “Stanley Kubricks: Clockwork Orange bezeichnet” wird. An dieser Tatsache ist Kubrick jedoch nicht ganz unschuldig, da z.B. der einzige Name, der im Vorspann erschien, sein eigener war. Dies führt unter anderem beim Hauptdarsteller, Malcolm McDowell, zu einiger Verstimmung und verstärkte Kubricks Ruf als Selbstdarsteller und Exzentriker.
Dieser Film gibt auch ein hervorragendes Beispiel für die, in den 70ern, teilweise vorherrschenden androgyne Ästhetik ab, mit welcher der Regisseur besonders die Darsteller, der Gangmitglieder, in Szene setzt.
Der Film dreht sich um die Hauptfigur des Alexander DeLarge, aus dessen Sicht auch die Geschehnisse geschildert werden, die in einer fiktiven Zukunft stattfinden.
Zu beginn des Films ist Alex Anführer einer Jugendgang, die sich “Droogs” nennt, und deren Mitglieder sich neben Schlägereien und Überfällen auch mit Vergewaltigungen, die Zeit vertreiben.
Hierbei wird dem Betrachter nicht nur vermittelt, als seien diese Gewaltexzesse, für die Gruppe um Alex, banaler Alltag - Nein, die Lust an der Gewalt und dem Herabwürdigen und quälen schwächerer Gesellschaftsmitglieder, wie im Film beispielsweise der Überfall auf einen Stadtstreicher, wird förmlich zelebriert, wie in Asien das Ritual des Teetrinkens.
Verstärkt wird dies noch durch die Untermalung mit klassischer Musik, die dem Ritual der Gewalt eine beinahe künstlerische Note verleiht.
Gerade diese Form der kritiklosen, wenn nicht gar glorifizierenden, Gewaltdarstellung in Uhrwerk Orange, sorgte bei vielen Kritikern, insbesondere von kirchlicher Seite, für Empörung. Wenn man den Entstehungszeitraum des Filmes berücksichtigt, so lässt sich diese Aufregung wahrscheinlich noch nachvollziehen. Was allerdings in den Siebzigern noch leicht zu einem “Skandal” führte, würde in der heutigen Zeit wahrscheinlich nicht einmal mehr gesondert zur Kenntnis genommen werden.
Nach einiger Zeit fällt Alex bei seinen Gangmitgliedern jedoch in Ungnade, da ihnen sein dominanter, herrischer Führungsstil zu wieder ist, der sich zu Weilen auch gegen sie richtet.
Während eines Einbruchs wird er von ihnen im Stich gelassen und von der Polizei inhaftiert. Die bei dem Einruch getötete Hausbesitzerin, ist schließlich der Grund dafür, dass Alex zu einer langjährigen Gefängnisstrafe, wegen Mordes, verurteilt wird.
Die Regierung sucht derweil händeringend nach Lösungen, um die Gefängnisse zu entlasten, welche in einer Gesellschaft, in der die Verrohung derartig um sich gegriffen hat, natürlich heillos überfüllt sind.
Hierbei soll ein wissenschaftliches Projekt Abhilfe schaffen, welches durch die sogenannte “Ludovico Technik” leidenschaftliche Gewalttäter und Sexualverbrecher dahingehend konditionieren soll, dass sie in Zukunft nicht mehr rückfällig werden können.
Alex wird für dieses Projekt als Proband ausgesucht. Mit fixierten Augenliedern wird er lange Zeit Filmszenen, mit extremen Gewaltdarstellungen, ausgesetzt, während ihm ein Mittel verabreicht wird, das zeitgleich starke Übelkeit und Schmerzen verursacht. Nach 14 Tagen gilt Alex als geheilt und wird in die Freiheit entlassen, wo er von nun an bei jedem noch so flüchtigen Gedanken, an Gewalt oder Sex, mit den Auswirkungen der Konditionierung, Schmerz und starke Übelkeit, zu kämpfen hat. Er wird zu einem wehrlosen, gebrochenen Menschen.
Im weiteren Verlauf der Geschichte begegnet Alex den Opfern, seines früheren Lebens, die ihn wiedererkennen und nun ihrerseits keine Gnade, gegenüber dem wehrlosen Alex, walten lassen.
Schlussendlich erwacht Alex, schwer verletzt, in einem Krankenhaus und wird noch am Krankenbett, von Politikern, zu Wahlkampfzwecken instrumentalisiert.
Der Film endet mit einer Szene, die Alex beim Beischlaf, vor Publikum zeigt und in der er Ruft: “Ich war geheilt, alright!”
Besonders diese letzte Szene lässt einigen Spielraum für Interpretationen. Besonders der Zusatz “alright!”, in Alex Schlusssatz, klingt beinahe wie eine Drohung, in das Verhaltensmuster zurückzukehren, welches ihm aberzogen werden sollte - Sex, Gewalt, Kriminalität. Er hat anscheinend keine Lehren aus der Zeit gezogen, als er das Opfer war.
Somit sind eigentlich sämtliche Personen und Institutionen gescheitert.
Die Konditionierungsversuche, und somit die Resozialisierung von chronischen Gewalttätern, schlugen fehl. da ihre Wirkung nicht von Dauer war - die Wissenschaft ist gescheitert.
Mit dem scheitern der Wissenschaft, scheitert ebenfalls die Politik, die diese als Allzweckinstrument, zur Lösung von Problemen, erachtete.
Über die Aussage des Films gibt es jedoch mindestens so viele Ansichten, wie es Tage in den 70ern gab. Am besten, bildet man sich seine Meinung über den film selbst und überlegt, was dessen Aussage sein könnte.